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Die wirtschaftliche Erholung im Euroraum fiel Anfang 2024 stärker aus, als in den gesamtwirtschaftlichen Projektionen von Fachleuten der EZB im März 2024 erwartet. Der Außenbeitrag und die steigenden Ausgaben der privaten Haushalte hatten für einen positiven Impuls gesorgt. Die neu verfügbaren Daten lassen darauf schließen, dass sich das Wachstum auf kurze Sicht fortsetzen wird, und zwar in höherem Tempo als zunächst vorausgesehen. Das real verfügbare Einkommen wird voraussichtlich weiter steigen. Vor dem Hintergrund eines kräftigen Lohnwachstums, allmählich wachsenden Vertrauens und sich verbessernder Terms of Trade ist im Verlauf des Jahres 2024 eine konsumgetriebene Erholung zu erwarten. Die belebende Wirkung des Außenbeitrags zum Jahresanfang ist zum Teil der Volatilität geschuldet, der Ende 2023 ein zeitweiliger Rückgang vorausgegangen war. Allerdings dürfte die Auslandsnachfrage weiter zunehmen und das Exportwachstum des Euroraums ankurbeln. Auf mittlere Sicht dürften die negativen Auswirkungen der zurückliegenden geldpolitischen Straffung allmählich abklingen. Dabei dürfte die Konjunktur von der Aussicht auf eine Lockerung der Finanzierungsbedingungen profitieren, die mit den Markterwartungen zur künftigen Zinsentwicklung einhergeht. Zudem wird das Wachstum durch einen robusten Arbeitsmarkt unterstützt werden. Die Arbeitslosenquote wird im späteren Verlauf des Projektionszeitraums auf historische Tiefstände sinken. Mit dem Abklingen einiger zyklischer Faktoren, die das Produktivitätswachstum in jüngerer Vergangenheit gebremst haben, ist im Laufe des Projektionszeitraums ein Anstieg des Produktivitätswachstums zu erwarten. Insgesamt dürfte das durchschnittliche jährliche Wachstum des realen BIP im Jahr 2024 bei 0,9 % liegen. In den Jahren 2025 und 2026 dürfte es dann auf 1,4 % bzw. 1,6 % steigen. Die Aussichten für das BIP-Wachstum für 2024 wurden gegenüber den Projektionen vom März 2024 nach oben korrigiert. Gründe sind die überraschend positiven Entwicklungen zu Jahresbeginn und die verbesserten aktuellen Daten. Für 2025 wurden die Wachstumsaussichten für das BIP geringfügig nach unten korrigiert, für 2026 bleiben sie unverändert.[1]

Die Gesamtinflation wird sich den Projektionen zufolge auf kurze Sicht weitgehend seitwärts bewegen, bevor sie sich weiter abschwächt und im Laufe des Jahres 2025 dem Inflationsziel nahe kommt. Hintergrund ist ein Nachlassen des Kostendrucks, auch bei den Löhnen, sowie die verzögerte Wirkung der zurückliegenden geldpolitischen Straffung, die allmählich auf die Verbraucherpreise durchschlägt. Die Gesamtinflation nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) dürfte im weiteren Jahresverlauf 2024 eine gewisse Volatilität aufweisen. Grund hierfür sind Basiseffekte und höhere Energierohstoffpreise. Auf mittlere Sicht dürfte sich der Preisauftrieb bei Energie bei niedrigen positiven Raten einpendeln. Dies ergibt sich aus den Markterwartungen für die künftige Entwicklung der Öl- und Gaspreise und aus den geplanten finanzpolitischen Klimaschutzmaßnahmen. Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln war in den letzten Quartalen stark rückläufig, da der Inflationsdruck aufgrund niedrigerer Rohstoffpreise für Energie und Nahrungsmittel nachgelassen hat. Mit Blick auf die Zukunft ist zu erwarten, dass der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln um sein derzeitiges Niveau schwanken und sich ab Ende 2025 weiter abschwächen wird. Die HVPI-Inflation ohne Nahrungsmittel und Energie (HVPIX) dürfte über weite Strecken des Projektionszeitraums oberhalb der Gesamtinflation verharren. Sie dürfte jedoch weiterhin dem disinflationären Pfad folgen, wenn auch langsam und vorwiegend in den Jahren 2025 und 2026. Ein zentrales Element dieser Projektion ist die Erwartung, dass das zunächst noch erhöhte Wachstum der Nominallöhne allmählich nachlässt. Denn der Aufwärtsdruck, der in einem angespannten Arbeitsmarkt vom Inflationsausgleich ausgeht, schwächt sich ab. Die erwartete Erholung des Produktivitätswachstums sollte dazu beitragen, dass der Arbeitskostendruck weiter nachlässt. Darüber hinaus ist insbesondere 2024 eine Abschwächung des Gewinnwachstums zu erwarten, sodass die Weitergabe der Arbeitskosten an die Preise teilweise abgefedert wird. Die jährliche HVPI-Gesamtinflation dürfte von durchschnittlich 5,4 % (2023) auf 2,5 % (2024), 2,2 % (2025) bzw. 1,9 % (2026) zurückgehen. Gegenüber den Projektionen vom März 2024 wurde die HVPI-Inflation für 2024 und 2025 um jeweils 0,2 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Dies ist in erster Linie auf höhere Preise für Energierohstoffe sowie auf die Tatsache zurückzuführen, dass die aktuellen Daten für die HVPI-Inflation geringfügig höher ausfallen als erwartet. Hinzu kommt, dass der Arbeitskostendruck ein wenig stärker ausfallen dürfte. Zurückzuführen ist dies auf das höhere Lohnwachstum in Verbindung mit einer etwas vorsichtigeren Einschätzung des künftigen Produktivitätswachstums. Die Aussichten für die Gesamtinflation und die HVPI-Inflation für 2026 bleiben unverändert.

Tabelle 1

Projektionen für das Wachstum und die Inflation im Euroraum

(Veränderung gegenüber Vorjahr in %, Korrekturen in Prozentpunkten)

Juni 2024

Korrekturen ggü. März 2024

2023

2024

2025

2026

2023

2024

2025

2026

Reales BIP

0,6

0,9

1,4

1,6

0,1

0,3

-0,1

0,0

HVPI

5,4

2,5

2,2

1,9

0,0

0,2

0,2

0,0

HVPI ohne Energie und Nahrungsmittel

4,9

2,8

2,2

2,0

0,0

0,2

0,1

0,0

Anmerkung: Die Zahlen für das reale BIP beziehen sich auf die Jahresdurchschnittswerte der saison- und arbeitstäglich bereinigten Daten. Aufgrund von Daten, die erst nach dem Redaktionsschluss der Projektionen veröffentlicht wurden, können historische Daten von den jüngsten Eurostat-Veröffentlichungen abweichen. Die Daten, darunter auch vierteljährliche Daten, können über die Macroeconomic Projection Database auf der Website der EZB heruntergeladen werden.

Die Übersetzung des vollständigen Berichts über die gesamtwirtschaftlichen Projektionen von Fachleuten der EZB wird in den kommenden Tagen veröffentlicht.

© Europäische Zentralbank, 2024

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Alle Rechte vorbehalten. Die Anfertigung von Fotokopien für Ausbildungszwecke und nichtkommerzielle Zwecke ist mit Quellenangabe gestattet.

Informationen zur Fachterminologie finden sich im EZB-Glossar (nur auf Englisch verfügbar).

HTML ISBN 978-92-899-6583-5, ISSN 2529-4652, doi:10.2866/766157, QB-CF-24-001-DE-Q


  1. Redaktionsschluss für die Aktualisierung der technischen Annahmen war der 15. Mai 2024. Die Projektionen für die Weltwirtschaft wurden am 16. Mai und die gesamtwirtschaftlichen Projektionen für den Euroraum am 22. Mai fertiggestellt. Am 31. Mai veröffentlichte Eurostat die Schnellschätzung für die HVPI-Inflation im Euroraum. Diese Schätzung stimmte vollständig mit der Gesamtinflation überein, die in den vorliegenden Projektionen von Fachleuten des Eurosystems erwartet wird. Die aktuellen Projektionen beziehen sich auf den Zeitraum 2024 bis 2026. Bei ihrer Interpretation ist zu berücksichtigen, dass Projektionen für einen so langen Zeitraum mit sehr großer Unsicherheit behaftet sind. Siehe hierzu auch EZB, Prognosegüte der gesamtwirtschaftlichen Projektionen von Experten des Eurosystems und der EZB seit der Finanzkrise, Wirtschaftsbericht 8/2019. Die Macroeconomic Projection Database auf der Website der EZB enthält alle bislang veröffentlichten gesamtwirtschaftlichen Projektionen der Fachleute der EZB und des Eurosystems. In dieser Datenbank sind zahlreiche Variablen hinterlegt, die vierteljährlich aktualisiert werden.